Die Idee der Lernwerkstatt


Vorgeschichte

Die Lernwerkstatt hat sich dadurch entwickelt, dass ich schon innerhalb weniger Jahre die Lust am Frontalunterricht verloren habe. Die Stunden machten mir keinen Spaß und den Kindern auch kaum. Langsame Kinder blieben immer auf der Strecke und schnelle Kinder waren gelangweilt, weil sie auf die anderen warten mussten. Nach dem Studium hatte ich schon viel foliert, kam aber leider nie dazu, meine Lernspiele zu verwenden. So hat sich die Idee zur generellen Freiarbeit entwickelt.


Ablauf der Lernwerkstatt

Die Lernwerkstatt ist eine zweiwöchige Freiarbeit. Montags beginnen wir mit freien Aufgaben zu den wöchentlichen Lernwörtern. Zu Beginn der Lernwerkstatt gibt es eine einzige fixe Erklärungsstunde. In dieser werden die wichtigsten neuen Bereiche erklärt und besprochen (Zahlenraum erweitern, Erarbeitung einer Personenbeschreibung anhand von Material, das den Kindern zur Verfügung gestellt wird; Größen,...). Je nach Bedarf gibt es dann am Dienstag oder Mittwoch erneute Erklärungen im Sitzkreis, was allerdings freiwillig ist. Meistens habe ich an diesen Tagen nur mehr 2-3 Kinder bei mir sitzen, die es am Montag noch nicht gut genug verstanden haben oder einfach noch Fragen haben.

In den restlichen Deutsch- und Mathematikstunden der laufenden zwei Wochen (LERNWERKSTATTSTUNDEN) können die Kinder frei an den 20 "Lernfächern" arbeiten.

Die Kinder bekommen täglich Feedback zur erbrachten Leistung und werden so motiviert, immer schnell und ordentlich zu arbeiten.


Lernwörtererarbeitung

Die Lernwörter erarbeiten wir (wie viele andere) wöchentlich. Hierzu haben die Kinder 2 Hefte (Wolkenheft von Formati W6 und ein A4 liniertes Heft). Zum Beginn der Stunde mache ich kleine Rätsel für die Kinder: "Das erste Lernwort ist das Gegenteil von KALT" usw. So erarbeiten wir gemeinsam die neuen Wörter und ich schreibe sie richtig an die Tafel. Gemeinsam wird auch festgelegt, welche Wortart es ist und ob es groß oder klein geschrieben wird. Die Kinder übertragen die Lernwörter in ihr Wolkenheft und färben die Wolke passend zur Wortart ein. Wenn wir alle Lernwörter erarbeitet haben, sollen die Kinder selbst passende Sätze auf die rechte Seite des Wolkenhefts schreiben.

Wenn sie damit fertig sind, nehmen sie ihr A4 Lernwörterheft aus der Schultasche. Darin finden sie eine Liste mit 10 verschiedenen Übungen zu den Lernwörtern (Adjektive steigern, Wörter ab- und aufbauen, Gegenteil finden,...). Darin können sie arbeiten, soweit sie kommen. Dieses Heft ist auch Teil der HÜ. Jeden Tag dürfen sie eine Übung auswählen und ins Heft schreiben.


Lernwerkstattmappe

Jedes Kind hat einen gelben Schnellhefter im Bankfach - die Lernwerkstattmappe. Die Frösche bekommen einen "Stationenplan" für 2 Wochen. Danach werden die "Lernfächer" wieder geändert und eine neue Lernwerkstatt beginnt. Jeder Durchgang besteht aus 10 Deutsch- und 10 Mathematikfächern. Jedes Kind bekommt ZWEI (ja, NUR zwei) gelb markierte "Pflichtfächer", die es vor Ablauf der zwei Wochen erledigt haben muss. Diese Fächer bestimme ich aufgrund der vorangegangenen Lernwerkstattdurchgängen und der Schwächen der Kinder. Ob diese sich nur aus Deutschübungen, nur Matheübungen oder aus beiden Fächern zusammensetzen, bestimme ich also immer individuell. Grundsätzlich ist es egal, ob ein Kind an einem Tag NUR Deutsch machen will - das ist kein Problem. An manchen Tagen habe auch ich keine Lust zu rechnen, sondern möchte lieber Geschichten schreiben. Das kennt ihr doch auch? Warum sollte ich die Kinder also zwingen, an einem gewissen Tag, bestimmte Übungen zu machen, wenn sie total motiviert wären, etwas anderes zu tun. Es kommt früher oder später sicher wieder ein "Mathematiktag". :)

Die Fächer setzen sich aus verschiedenen Übungen zusammen. Es sind nicht nur Übungen aus Heften oder Büchern, sondern auch Spiele am Tablet, Übungen am PC oder verschiedenste Lernspiele. Im Plan vermerken die Kinder, welche Stationen sie FERTIG gemacht haben. Wenn sie von einer Kartei zB nur 3 von 15 Karten gemacht haben und dann Lust auf etwas anderes bekommen, schreiben sie einfach die Anzahl der erledigten Karten auf. Wenn sie dann an einem anderen Tag damit weiter machen wollen, können sie die Zahl am Plan einfach ausbessern.

 

Am Ende des Tages kommt jedes KInd zu mir und bekommt zu jeder fertigen Station den aktuellen Datumsstempel. Somit habe ich täglich einen Überblick, wieviel die Kinder geschafft haben und ich gebe ihnen sofort ein Feedback, während ich am Stempeln bin.

 

Falls sie am Ende des Tages eine Station (zB im Buch) begonnen haben, machen sie sich am Plan einen kleinen Punkt dazu, damit sie wissen, dass sie am nächsten Tag damit als erstes weitermachen.


Organisation

Bücher, Hefte und Lernspiele liegen gut sortiert so, dass sie für alle Kinder zugänglich sind. Jeder Schüler kann sich so alles selbstständig holen, was er für sein aktuelles Lernfach braucht. Am ersten Bild sieht man gut unsere Bücher, die wir verwenden. Ich habe mich bewusst für ein mehrteiliges Mathematikbuch entschieden, damit die Kinder nicht immer nur EIN Mathematikbuch haben, sondern mehrere, aus denen sie wählen können. Die Buchdeckel habe ich klein eingescannt und foliert. Diese habe ich dann auf das entsprechende Fach gehängt, damit die Kinder ihre Bücher leicht wieder finden, oder auch wegräumen können.

 

Am unteren Bild sieht man unsere "Lernfächer". Ja, das Bild erklärt euch jetzt, warum es FACH heißt :) In jedem Lernfach befinden sich ein oder mehrere Lernspiele. Meistens ist es ein Lernspiel, bei dem es leichtere, mittlere und schwerere Aufgaben gibt. So ermögliche ich den schwächeren Kindern, Bereiche nocheinmal zu üben, die sie noch nicht so gut beherrschen und bessere Kinder können dann teilweise auch schon Übungen machen, die gar nicht im Lehrplan der dritten Klasse wären.

 

Alle Lernfächer sind mit unserem Logo und der Fachnummer gekennzeichnet. Auch bei den Büchern sieht man die Markierungen. So tun sich auch "orientierungslose" Kinder leichter, alles schnell zu finden.



Leistungsprofil der Kinder

Um die Leistungen der Kinder im Überblick zu behalten, mache ich mir genaue Aufzeichnungen. Das erste Bild ist meine angelegte Tabelle zum ersten Montag unserer Lernwerkstatt. Die farblich gekennzeichneten Felder sind die "Pflichtfächer" der Kinder. Hier sieht man gut, dass jedes Kind individuell abgestimmte Fächer zugeteilt bekommen hat.

 

Oberhalb der gelben Linie stehen meine Buben, unterhalb der Linie befinden sich die Mädchen. So finde ich schneller die Kinder auf meiner Liste, wenn ich mir etwas notiere. Auf der linken Seite haben wir unsere Mathefächer und auf der rechten Seite unsere Deutschfächer. Hinter der rosa Linie verstecken sich die Sternchenstationen (dazu später).

 

Sobald ich mir ein Heft, Buch oder Arbeitsblatt angesehen habe, notiere ich mir in meiner Liste, wie das Kind gearbeitet hat (anhand eines +, ~ oder -) Natürlich kontrolliere ich nicht, wie viele Lesekarten, Rechenkarten oder Lesekreise jedes Kind gemacht hat. Die Frösche notieren diese Sachen selbst auf ihrem Plan und sind da auch sehr zuverlässig. Am Ende jeder Woche nehme ich mir dann die Mappen der Kinder her, und vergleiche sie mit meiner Liste.

 

Am Ende der zwei Wochen bekommt jedes Kind von mir eine Beurteilung für "Leistung" und "Tempo". Beides notiere ich auf meinen Listen und auf den Plänen der Kinder und lasse es von den Eltern unterschreiben. So sind die Eltern auch in gewissen zeitlichen Abständen darüber informiert, wie ihr Kind in der Schule arbeitet. Am Ende des Jahres ergibt sich so eine "Lernwerkstattsnote" die 1/3 der Gesamtnote ausmacht.


Sternchenaufgaben

Zusätzlich zu den 20 Lernfächern gibt es 7 Sternchenaufgaben. Die Kinder finden auf der Rückseite ihres Lernplans in der Lernwerkstattmappe die Übersicht der Sternchenaufgaben. Diese Aufgaben sind "Belohnungen" für fleißige Kinder. Zusätzlich dient es zur Motivation, schneller und besser zu arbeiten.

 

Zu den Sternchenaufgaben kommen die Kinder dann, wenn sie ihre Tagesanforderungen erfüllt haben. Das bedeutet an diesem Tag:

 

1.) mindestens ein Lernfach pro Lernwerkstattstunde gemacht zu haben (2h-2Fächer, 3h-3Fächer)

2.) mindestens ein Lernfach in M und in D erledigt zu haben.

3.) die Aufgaben an diesem Tag ordentlich erfüllt und keine anderen Kinder gestört zu haben.

 

Die Sternchenaufgaben sind deshalb so beliebt, weil die Kinder selbst die Spiele aussuchen dürfen. Am letzten Tag der Lernwerkstatt planen und besprechen wir gemeinsam, welche Sternchenstationen sich die Kinder für die nächste Lernwerkstatt wünschen. Wir achten auch darauf, dass wir Mathe und Deutschspiele dabei haben.

 

Besonders beliebt sind verschiedenste Leselegekreise (zaubereinmaleins, materialwiese,...) und Rechentwister (Lernfrosch - Download im Mathematikbereich).

 


Während der Arbeitszeit

Zu Beginn unseres Tages erledigen die Kinder ihr Rechenfrühstück. Dieses besteht aus einigen einfachen Rechnungen im ZR 100, um die Grundlagen zu festigen und die Malreihen zu wiederholen.

Dadurch, dass die Kinder nicht gleichzeitig mit dem Rechenfrühstück fertig sind, stürmen auch nicht alle zur selben Zeit zu den Lernfächern.

 

Bücher, Hefte und Arbeitsblätter, die die Kinder während den Lernwerkstattstunden erledigen, geben sie auf dem Wagen neben meinem Schreibtisch ab. Hier gibt es das blaue ABGABE- und das grüne VERBESSERUNGS-Fach.

 

        - Erledigte und unkontrollierte Sachen werden im ABGABE Fach

          abgegeben.

 

        - Von mir korrigierte Hefte, Bücher und Arbeitsblätter, bei denen

          sich FEHLER eingeschlichen haben, landen im VERBESSERUNGS

          Fach. Sobald ein Kind also wieder an meinem Tisch vorbei geht, sieht

          es gleich nach, ob es eine Verbesserung zu machen

          hat. Diese kann es auch während den Lernwerkstattstunden

          erledigen und jederzeit Feedback oder Hilfe bekommen.

 

        - Korrigierte und FEHLERFREIE Sachen landen am unteren Teil des

         Wagens. Wir haben in unserer Klasse einige Dienste - so auch einen

          ORDNUNGSDIENST, der dafür zuständig ist, die fehlerfreien Hefte

          und Bücher wieder in die richtigen Regale einzuordnen.

 

Ihr wisst alle, wie gerne die Kinder uns Lehrern helfen. Schaufelt euch selber Zeit frei und teilt sie auch ein. So machen sie selber auch kleine Pausen vom Arbeiten und bewegen sich ein bisschen zwischen den Arbeitsphasen. Das steigert auch wieder die Leistung der Frösche.


Regeln

Regeln sind natürlich die Basis für Freiarbeit. Über einige Zeit habe ich diese natürlich auch abgeändert, manche verschärft und manche wieder ganz weggelassen. Grundsätzlich gibt es bei uns folgende Richtlinien, die sich bewährt haben und in UNSERER Klasse gut funktionieren. Das ist natürlich auch von Klasse zu Klasse verschieden.

 

1) Du darfst deinen Sitzplan wechseln und mit anderen Kindern Sitzplatz tauschen.

2) Du darfst auch unsere Tische am Gang nutzen (maximal 3 Kinder pro Rundtisch)

3) Du darfst dich mit Lernspielen auch am Boden in der Klasse oder am Gang setzen (maximal 2 Spiele am Gang)

4) Wenn du eine kleine Pause machen willst, dann kannst du sie machen, solange du keine anderen Kinder störst.

5) Du darfst nicht die gleiche Aufgabe erledigen, wie dein Sitznachbar (um Abschreiben zu verhindern). Spiele dürft ihr aber natürlich gemeinsam lösen.

6) Generell herrscht FLÜSTERLAUTSTÄRKE. 

 

Natürlich gibt es auch bei uns immer wieder Regelverstöße. Konsequenzen sind bei mir zB. dass man an diesem Tag nicht mehr am Gang arbeiten darf, oder dass man auf seinem Platz sitzen muss. Diese zwei Konsequenzen reichen eigentlich immer als Druckmittel, da sie ihre Freiheiten lieben und sie nicht riskieren wollen.

So, genug geschrieben und gelesen - viel Spaß beim weiteren Stöbern